Robin Book e.V. - Förderverein der Kreisfahrbücherei Soest Robin Book e.V. - Förderverein der Kreisfahrbücherei Soest
"10722 Unterschriften für den Bücherbus (Westfalen Post vom 10.04.2018)
10 722 Unterschriften für Bücherbus
Robin Book e.V. - Förderverein der Kreisfahrbücherei Soest
Reinhold Häken
Kreis Soest. 53 Jahre rollte er durch die Dörfer des Kreises Soest. Zum Jahresende ging der stille Tod des Bücherbusses ganz ohne Abschiedszeremoniell über die Bühne. „Der Weiterbetrieb ist vor dem Hintergrund des Zeitalters der zunehmenden Digitalisierung und der hohen jährlichen Betriebskosten von 300 000 Euro nicht mehr zeitgemäß“, hieß es in einem gemeinsam von CDU, SPD, FDP und BG getragenen Antrag. Nachdem auch die Bürgermeisterkonferenz gegen die anstehende Anschaffung eines 500 000 Euro teuren Nachfolgers votiert hatte, läutete der Kreistag mit breiter Mehrheit das Ende der mobilen Medienversorgung ein.
Dagegen protestierten in den vergangenen Wochen viele Bürger: Vorne mit dabei die Initiative „Robin Book“, die gestern nahezu 11 000 Unterschriften an Landrätin Eva Irrgang überreichte. Die sollen den Kreistag zwingen, sich noch einmal der Thematik anzunehmen oder aber einen Bürgerentscheid zu initiieren. „Robin Book“ geht davon aus, dass nur 190 Unterschriften ungültig abgegeben wurden, mehr als 10 750 aber gültig sind. Für ein gültiges Bürgerbegehren wären 9960 gültige Stimmen nötig. Die Kreisverwaltung muss die Gültigkeit der Unterschriften nun prüfen, in etwa einer Woche liege das Ergebnis vor, versprach die Landrätin.
Sie dankte der Initiative für ihren Einsatz in den vergangenen Wochen. Der Aufwand sei hoch, das bürgerschaftliche Engagement sei nicht hoch genug anzuerkennen. Irrgang lud aber auch dazu ein, den weiteren Prozess zu begleiten. „Egal wie es ausgeht, ich möchte Sie bitten. Ihre vielen Ideen für neue Wege weiter beizusteuern“, warb die Landrätin. Sie erfuhr in der anschließenden Diskussion davon, dass in Welver mit zwölf Prozent aller Wahlberechtigten, in Ense mit acht und in Erwitte mit sieben Prozent die höchsten Beteiligungen mit der Forderung zum Erhalt der Fahrbibliothek zusammengetragen wurden. „Wir machen uns vor einem Bürgerentscheid nicht Bange“, formulierte Thomas Reimann aus Erwitte, der gemeinsam mit der früheren Leiterin des Bücherbusses Margarete Baron-Schulte (Warstein) und Reinhard Scheer (Werl) Hauptinitiator des Bürgerbegehrens war. Wunsch nach Diskussion
„Wir wünschen uns, dass es in der Politik endlich eine breite Diskussion darüber gibt, wie man das wichtige Thema der Leseförderung im Kreis Soest sinnvoll gestaltet. Die bisherigen Ansätze des Kreistages, alles hinter verschlossenen Türen zu diskutieren, waren nicht dazu geeignet, hier sinnvolle Lösungsansätze zu finden“, formuliert Thomas Reimann. Das Thema der Leseförderung sei wichtig genug, um eine öffentliche Diskussionsrunde zu veranstalten, fordert Reimann nach dem Vorbild der Town Hall Meetings in den USA eine solche Veranstaltung: „Die Politik sollte den Mut finden, sich der öffentlichen Diskussion und ihren Wählern zu stellen“. Der Ton der Auseinandersetzung wurde in den vergangenen Wochen rauer: „Wenn das Land der Dichter und Denker das Dichten und Denken verlernt, haben wir viel verloren. Die Innovationskraft eines Landes lässt sich am Leseverständnis messen. Dies nicht nach allen Kräften zu fördern, ist eine schlechte Investition in unsere Zukunft“, bilanziert die Bürgerinitiative zum Finale der Unterschriftenaktion.
Zuvor hatten Thomas Reimann und seine Mitstreiter betont, im Bücherbus auch einen Teil Lebensqualität zu sehen: „Viele Leser, Jung und Alt, versichern immer wieder, dass der Bücherbus zu ihrem Leben dazu gehört, liefert er ihnen doch auf zuverlässigem Wege die Medien, die sie benötigen. Gerade in unserem ländlich geprägten Kreis ist und bleibt der Bücherbus ein unverzichtbarer Teil der sozialen, kulturellen und bildungspolitischen Landschaft für die Bürger. Gewünscht wird immer wieder auch das Buch in herkömmlicher Form. Gerade von älteren Bürgern“.